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Entzündliche Gelenkerkrankungen
(Arthritiden)

Chronische Polyarthritis
(rheumatoide Arthritis)

Foto: Frau führt gymnastische Übung durch
Der typische Fall: Schmerzen in den Händen

Claudia S. (51 Jahre, 162 cm, 53 kg) nahm die Schmerzen an ihren Händen und die Schwellungen an den Handgelenken zunächst nicht ernst. Auch eine morgendliche Steifigkeit der Hände, die sie fast eine Dreiviertelstunde am Greifen hinderte, beunruhigte sie zunächst nicht. Erst als leichtes Fieber und ausgeprägtes nächtliches Schwitzen hinzukommen, sucht sie ihre Hausärztin auf.

Die Ärztin erkennt, nachdem ihr Claudia S. die Beschwerden geschildert hat, dass es sich um eine Arthritis handelt.

Zunächst verordnet die Hausärztin ein entzündungshemmendes Medikament, ein sog. Antirheumatikum, das auch die Schmerzen lindert. Dies ist der erste Behandlungsschritt, bevor im Fall von Frau S. darüber entschieden wird, ob weitere Medikamente bzw. physikalische Maßnahmen (z.B. Kälte- oder Wärmeanwendungen, Massagen usw.) eingesetzt werden.

Die Erkrankung

Die chronische Polyarthritis gehört zu den entzündlich-rheumatischen Krankheiten. Der Name besagt, dass mehrere Gelenke betroffen sein können.
Etwa 1 Million Menschen in Deutschland leiden unter dieser entzündlichen Gelenkerkrankung. Frauen in den Wechseljahren und in den Jahren danach sind besonders häufig betroffen. Typische erste Anzeichen einer chronischen Polyarthritis sind Schmerzen, Rötungen und Schwellungen an den Fingergelenken. Hinzu kommt die Morgensteifigkeit, eine sich morgens erst langsam wieder einstellende Beweglichkeit der Gelenke. Häufig werden auch Fieber, Müdigkeit und Appetitlosigkeit festgestellt.

In fortgeschrittenen Krankheitsstadien können auch innere Organe (z.B. Herz, Lungen, Nieren) oder das Gefäßsystem ernsthaft in Mitleidenschaft gezogen werden.

Ursachen

Die Ursachen der chronischen Polyarthritis konnten bislang wissenschaftlich noch nicht eindeutig geklärt werden. Jedoch gilt es als gesichert, dass Infekte, Allergien, erbliche Anlagen und psychische Stressfaktoren Auslöser sein können.

Bei der Erkrankung handelt es sich um eine Fehlreaktion des Immunsystems. Körpereigene Gelenkzellen werden fälschlicherweise als "schädliche Eindringlinge" gedeutet und mit einer entsprechenden Entzündungsreaktion bekämpft. In der Medizin wird dieser fehlgesteuerte Vorgang als autoaggressive Immunreaktion bezeichnet.

Verlauf

Leider gibt es heute noch keine Verfahren, mit denen vorausgesagt werden kann, wie eine beginnende rheumatische Erkrankung verlaufen wird.

Im Allgemeinen klingt bei etwa 30 Prozent der Patienten der erste Schub der Erkrankung folgenlos ab. Bei weiteren 30 Prozent der Betroffenen kann ein Fortschreiten der Erkrankung durch eine Langzeittherapie mit Medikamenten wirkungsvoll verhindert werden. Bei rund 40 Prozent der Patienten verschlechtert sich die Erkrankung mit bleibenden Schäden.

Behandlung

Die medikamentöse Therapie lässt sich in eine sofort wirksame und in eine langfristig wirksame Form einteilen. Zusätzlich sollte eine physikalische Behandlung in Erwägung gezogen werden.

Sofort wirksame medikamentöse Therapie

Bei der sofort wirksamen Therapie kommen überwiegend entzündungshemmende Antirheumatika zum Einsatz. Mit ihnen können Schmerzen und Entzündungen schnell und wirksam unterdrückt werden. Darüber hinaus lässt sich die Gelenkbeweglichkeit verbessern.

Nach dem Stufenschema der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sollte der Arzt bei chronischen Schmerzen zunächst die Schmerzmittel der 1. Stufe (Antirheumatika) verordnen. Konnten die Schmerzen nicht zufriedenstellend gebessert werden, kommen in der 2. Stufe zusätzlich schwach wirksame Opioide zum Einsatz. War die Schmerzlinderung auch dann noch unbefriedigend, werden in der 3. Stufe stark wirksame Opioide verordnet.

In den vergangenen Jahren sind neuartige Medikamente für diese Therapie zugelassen worden. Bewährte ältere Medikamente haben weiterhin ihre Berechtigung.

Kortison, dem viele Patienten skeptisch gegenüber stehen, wird sowohl bei der kurzfristigen als auch langfristigen Therapie unterstützend gegeben. Dieses Medikament ist sinnvoll, wenn auch innere Organe betroffen sind und/oder die Aktivität der Entzündung besonders hoch ist. Eine Skepsis ist bei Kortison nicht angebracht. Denn richtig dosiert und gezielt eingesetzt sind kortisonhaltige Medikamente wirksam und relativ nebenwirkungsarm.

Langfristig wirksame Therapie mit Basistherapeutika

Erst wenn Beschwerden länger andauern und/oder sich schnell Verschlechterungen einstellen, werden Basistherapeutika eingesetzt, um ein weiteres Fortschreiten der Erkrankung zu verhindern. Diese Medikamente greifen direkt in das Immunsystem ein und dienen auch zur Vorbeugung von Spätschaden. Die Wirkung von Basistherapeutika setzt erst einige Wochen nach Therapiebeginn ein, der Patient muss sich demnach in Geduld üben. Eine Kombination mit Antirheumatika ist also insbesondere in der Anfangsphase besonders sinnvoll.

Die physikalische Therapie

Unter dieser Bezeichnung werden alle nichtmedikamentösen Maßnahmen zusammengefasst, die die Aufgabe haben, die Gelenkbeweglichkeit zu bessern bzw. wiederherzustellen. Zu den physikalischen Behandlungsverfahren werden Massagen, Krankengymnastik, Wasser-, Kälte- und Wärmebehandlung sowie die Ergotherapie gerechnet. Die amtliche Entscheidung für die optimale Behandlung ist - wie bei allen rheumatischen Erkrankungen - vom individuellen Erscheinungsbild und dem Stadium der Krankheit abhängig.

Eigeninitiative/Selbsthilfe

Foto: Köpfe von Männern und Frauen
Neben der korrekten Einnahme der vom Arzt verordneten Medikamente und der konsequenten Wiederholung von therapeutisch empfohlenen Bewegungsübungen können Betroffene auch einiges tun, um mit der Erkrankung sowohl physisch als auch psychisch besser umzugehen. Eine rheumatische Erkrankung sollte nie als Schicksal betrachtet werden.

Wichtig ist es, mit der Erkrankung aktiv umzugehen, sich den veränderten Lebensumständen zu stellen.

Als sehr wertvoll erweist sich der Erfahrungsaustausch mit anderen von Rheuma Betroffenen. Die Deutsche Rheuma-Liga bietet Patienten bundesweit in vielen Gemeinden die Möglichkeit zum Erfahrungsaustausch in Selbsthilfegruppen. Darüber hinaus können Patienten von der Rheuma-Liga umfangreiche Informationen und weitere Unterstützung zu vielen Fragestellungen erhalten.

Mehr hierüber und Kontaktadressen finden Sie hier.